ECM und SOA – Wie passt das zusammen?
Zunächst einmal soll der Stellenwert eines Begriffs aus der Vor-SOA-Epoche um 2000 bestimmt werden: EAI. Bei der Umsetzung von Geschäftsprozessen auf die vorhandene IT-Struktur eines Unternehmens ist die Rede von der Enterprise Application Integration (EAI) innerhalb von Unternehmen und der sogenannten B2B-Integration (B2BI) bei der Einbeziehung der relevanten IT-Systeme anderer am Geschäftsprozess beteiligter Geschäftspartner. Grundsätzlich rücken EAI und B2BI immer näher zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Nach der Definition von Wikipedia wird unter Enterprise Application Integration (EAI) oder auch Unternehmensanwendungsintegration (UAI) ein Konzept zur unternehmensweiten Integration der Geschäftsfunktionen entlang der Wertschöpfungskette verstanden, die über verschiedene Applikationen auf unterschiedlichen Plattformen verteilt sind, und die im Sinne der Daten- und Geschäftsprozessintegration verbunden werden können. EAI verbindet folglich Fachanwendungen mit einem zentralen Hub oder Bus (Message Broker) und erlaubt so die einfachere Verwaltung einer großen Anzahl von Verbindungen bzw. Schnittstellen über vorgefertigte Adaptoren (Schnittstellenumsetzer). Dadurch kann die Komplexität von N/2*(N-1) Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf N-Verbindungen zwischen N-Applikation und dem Integrationsserver selbst reduziert werden. Haben Sie z.B. 6 Anwendungen, die miteinander kommunizieren müssen, so haben Sie durch EAI nur 6 Verbindungen anstelle von 15 Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ohne den Einsatz eines zentralen Hubs. ![]() Im Unterschied zur reinen Schnittstellenadaption durch klassische Middleware bietet EAI auch die Möglichkeit, Prozesslogik abzubilden. Nachdem EAI schon für "tot" erklärt wurde, stellt man in den letzten Monaten eine deutliche Belebung fest. Während der EAI-Markt 2005 schon um etwa 16 Prozent wuchs, erwartet das Beratungshaus Pierre Audoin Consultants für das Jahr 2006 ein Marktwachstum von gut 18 Prozent. Der Markt für EAI steigt und wie Sie später lesen werden steigt der Markt für SOA auch. Wo genau ist da nun die Unterscheidung zwischen EAI und SOA? Ist SOA "mehr" als EAI oder umgekehrt? Welche Funktionalität müssen Werkzeuge mitbringen, um den Aufbau Service-orientierter Architekturen zu unterstützen? Wie verhält sich die EAI-Idee zur Methodik der Service-orientierten Architekturen (SOA)? Eine Service-orientierte Architektur ist Teil einer Enterprise Architektur. Service Oriented Architecture (Serviceorientierte Architektur, SOA oder auch dienstorientierte Architektur) ist ein Systemarchitektur-Konzept, das die Bereitstellung von technischen und fachlichen Diensten und Funktionalitäten in Form von Services vorsieht. SOA ist kein Produkt und kein Werkzeug, sondern ein Architekturansatz, bei dem Anwendungen aus Service Lieferanten, Service Konsumenten und deren "losen Kopplung" bestehen. ![]() SOA bietet die Möglichkeit, die entstandene Lücke zwischen IT und unternehmerischen Anforderungen zu schließen! Eine funktionierende SOA ermöglicht:
SOA ist nicht neu. Mit Technologien wie CORBA und DCOM wurden bereits in den 1990er-Jahren SOA-Ansätze verfolgt. Beide Protokolle waren jedoch äußerst komplex. Außerdem waren die Services, die auf den Protokollen basierten, lieferantenabhängig und daher nicht miteinander kompatibel. Dank XML- und Web-Services basiert der heutige Ansatz für die Entwicklung von Services jedoch auf echten Standards, d. h. die Services können von verschiedenen Arten von Anwendungen genutzt werden - unabhängig von den Technologien, die für die Anwendungsentwicklung verwendet wurden. Das Konzept der SOA, Dienste als Sammlung funktionell ähnlicher Prozesse zu bilden, ähnelt dem EAI-Gedanken. SOA treibt jedoch einen Ansatz weiter voran: Die bereitgestellten Dienste sollten abstrakter Art sein und sich so zur Wiederverwendung eignen. SOA stellt dazu erweiterte Anforderungen - insbesondere an die Interoperabilität. Auf der technischen Seite ist für eine SOA-Lösung eine Integrationsplattform notwendig, die zumeist einen Web Application Server, ein Werkzeug für die Enterprise-Application-Integration (EAI) und eine Portalsoftware umfasst. Sinnvolle Ergänzungen sind Tools für ein übergreifendes Daten-Management sowie für die Modellierung und die Ablaufunterstützung von Geschäftsprozessen. Warum sollte aber jetzt jedes Unternehmen die EDV und jeder ECM-Hersteller seine Softwareprodukte auf SOA umstellen? Das SOA Konzept existiert bereits seit mehr als fünf Jahren, gewinnt jedoch erst jetzt durch die Dominanz von Web Services immer mehr an Bedeutung und wird im Zuge der Zeit selbstverständlich werden. Das hat auch der Markt der Softwareanbieter verstanden und so sind neue Tools am Markt verfügbar, die die Entwicklung von SOA Anwendungen erleichtern. Ist SOA also nach Client/Server- und Multi-Tier-Architektur die nächste große IT-Welle? Jein, wenn man den Analysten glaubt. Einerseits sagt Gartner in seiner "Introduction to Service-Oriented Architecture" vom 14.04.2003 voraus, dass 2008 mehr als 60% der Unternehmen SOA als leitendes Prinzip einsetzen werden, wenn sie "geschäftskritische" Anwendungen und Prozesse erstellen werden und dass die Unternehmen, die das Potential von SOA ignorieren, durch deren Konkurrenten vom Platz gedrängt werden. Andererseits hat die Gartner Group mit Real-Time Enterprise (RTE) ein neues Buzzword in den Markt geworfen! Gartner definiert ein Real-Time Enterprise wie folgt: "The Real-Time Enterprise is an organization that has moved beyond outdated business methods anchored to legacy IT architectures. It is agile from the inside out and therefore a fierce competitor." Unter RTE versteht Gartner eine Organisation, die ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert, weil den Mitarbeitern jederzeit aktuelle Informationen zur Verfügung stehen und Verzögerungen im Management und der Ausführung kritischer Geschäftsprozesse vermieden werden. Für die Information Management Group (IMG) liegt der Schlüssel zum Realtime Enterprise in der Integration. Die größte Herausforderung ist dabei die Beziehung zwischen dem so genannten Point-of-Creation (POC), dem Ort, an dem eine Information entsteht, und dem Point-of-Action (POA), an dem aufgrund oder mit Hilfe dieser Information gehandelt wird. Nur wenn die Systeme zwischen POC und POA gut integriert sind, können die Informationen schnell, idealerweise also in Echtzeit, fließen. Merken Sie was? Der Geschäftsprozess steht neben EAI und SOA im Mittelpunkt der Betrachtung. Die höchstmögliche Integration und Automatisierung allein macht noch kein Echtzeit-Unternehmen. Erst wenn die Prozesse auch beschleunigt werden, kann von "realtime" gesprochen werden. Wir kommen also wieder zu dem Punkt, an dem wir schon einmal am Ende des vorhergehenden Kapitels standen:
Wo liegt die Zukunft der Applikationsintegration im Bereich der Enterprise Content Management Lösungen? Die Systeme müssen in eine gesamte, integrierte IT-Architektur eingebettet sein. Dazu braucht es: Enterprise Application Integration (EAI), Service Oriented Architecture (SOA), Enterprise Content Management (ECM) und Business Process Management (BPM)!
Die Realisierung einer RTE erfolgt folglich durch Prozessintegration.![]() Die Abbildung zeigt auf, wie ausgehend vom Geschäftsprozessmodell eine Umsetzung der RTE-Prinzipien erfolgen kann, welche Infrastrukturfunktionen auf diesem Weg liegen und wo sich der RTE-Kreis zum Geschäftsprozessmodell schließt:
Entscheidend laut inubit AG ist für den Erfolg hierbei die Durchgängigkeit über alle Stufen und die stetige Abbildung auf das SOLL-Prozessmodell. Fehlt diese Abbildung, so entwickelt sich in den Zwischenebenen eine Eigendynamik und der RTE-Effekt schwächt sich ab oder verliert gar völlig seine positiven Eigenschaften. |




